Vorsicht vor Aufzügen!

Heute werde ich Sie über eine erstaunliche Gegebenheit informieren.

In einem Düsseldorfer Parkhaus durchzuckte es mich mit einem Geistesblitz. Auf dem zerkratzten, mattschimmernden, festgeklebten und zusätzlich verschraubten Hinweisschild im inneren der muffigen Kabine werde ich über eine maximal zulässige Traglast von 300 KG oder 4 Personen informiert. Als großer, halbwegs schlanker Mann habe ich schon alleine ein leicht klaustrophobisches Erlebis, wenn sich die seit 50 Jahren im Betrieb befindliche Kabine mit leicht flackernden Licht in Bewegung setzt. Die Vorstellung, dass sich noch ein weiterer, vermutlich schwitzender und stinkender Fahrgast dazudrängt, ist jedesmal der Grund, weshalb 6 Etagen aufwärts in einem beengten und nach Urin stinkenden Treppenhaus zu einer Konfrontation mit dem inneren und stets faulen Schweinehund werden. Der innere Schweinehund siegt dann doch, und wird mir heute auch noch mit einer wohlrichenden, Minirocktragenden , testosteronspiegelsteigernden und vollbusigen Blondine belohnt, die anscheinend aufgrund der gleichen Überlegungen sich neben mich in den Aufzug quetscht.

Nun, in dieser Situation, wünschte ich mir natürlich sofort, dass das marode Ding am Seil nach 50 Jahren heute endlich mal den Geist aufgibt. Für 2 Stunden. Eine Stunde zum Kennenlernen, eine halbe zum Flirt und den Rest teile ich mit Ihrer Phantasie.

Aber natürlich kommt es zu der "Aufzugsbegegnungsvariante 1" - ich und das Rasseweib schauen verlegen zur Seite, nur bedacht, dass der die intimsphäre berührende enge räumliche Kontakt schon unangenehm genug ist und ein Augenkontakt quasi "Ich will dich Ficken" bedeuten würde. Dies ist übrigens psychiologisch einwandfrei anerkannt - Männer im Herrenklo stellen sich niemals neben den pinkelnden Nachbarn, sondern immer ein Pissoir weiter. Der Radius von knappen 45 cm um uns herum gilt als Intimbereich, in den wir nicht jeden hereinlassen wollen. Wenn wir durch äußere Umstände dazu genötigt werden, dies trotzdem zu tun, reagieren wir entsprechend mit Unbehagen. Im Aufzug bedeutet dies zumeist, Verlegenheit gegenüber fremden Anwesenden zu zeigen. Man schaut demonstrativ zur Seite und starrt auf einen Punkt, als wolle man damit zeigen, dass man nicht unabsichtlich in den Intimbereich des Anderen eindringen wolle.

Nun genug zur Psychiologischen Betrachtung - aber damit können Sie vielleicht meine Angst verstehen, dass ein fetter, schwitzender und stinkender Sack sich neben mich in den Aufzug quetscht und dann auch noch einer von den Personen ist, der die zuvor erläuterte 45 cm -Regel in seiner Sozialisierungsphase unbemerkt übersprungen hat.

Nun, ich stelle fest, dass ich von meiner letzten Ausführung nicht traumatisiert bin, weil es wirklich passiert ist...verdammt, ich befinde mich in einem Tagtraum! Die Blondiene ist gar nicht da, aber auch kein fetter Mann! Dafür stehen vor mir 3 Japaner in der Kabine und schauen mich freundlich lächelnd an. Meingott, war ich so verträumt, dass ich die garnicht bemerkt habe? Komisch, 4 Mann an Bord, und trotzdem kein Platzproblem. Als die Japaner in der 6. Etage aussteigen, kommt mit der Erkenntniserguss: Das Schild im Aufzug mit der Traglast und der maximal zulässigen Personenanzahl ist eine Japanische Maßeinheit!!! Die rechnen nicht in Europäern oder serienmäßig übergewichtigen Amerikanern!! Davon würden da nie 4 reinpassen, oder? Aber 4 kleine, dünne und den beengten Raum gewohnte Japaner - jaa das ist es!

Jedenfalls bitte ich um ein freundliches Jaaa! , wenn Sie nun auch der Meinung sind, dass wir europäische Aufzüge DI-normen sollten, am besten nach amerikanischen Maßstäben.

Glück auf!

21.6.10 21:11

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(21.6.10 21:13)
jaaa!

ich

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